
Colette und Tilman Anhold

Fast
wie ein eigenes Pferd:
Die Feriengäste erhalten für die Dauer des Aufenthaltes "ihr" Pferd
zugeteilt

Galopp
am Strand
Das Grundstück der Horse Holiday Farm grenzt direkt ans Meer
Irish
Hunter:
"Sie sind robust, mutig und schnell", sagt Tilman Anhold über
seine Lieblingsrasse
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33
Jahre ist es her, seit Tilman Anhold seine Koffer gepackt
hat und nach Irland ausgewandert ist. Dort hat er sich
mit der «Horse Holiday Farm» in County Sligo
eine neue Existenz aufgebaut — und diesen Schritt
nie bereut.
Tilman Anhold ist ein viel beschäftigter Mann.
Ihn beispielsweise ans Telefon zu bekommen, ist gar nicht
so einfach. In einem Betrieb mit 80 Pferden wundert das nicht.
Da gibt es immer etwas zu tun und zu organisieren. Der Deutsche
hat in den letzten Jahrzehnten in Grange in County Sligo
im Nordwesten von Irland eine Farm für Reiterferien
aufgebaut. «Ich führe viele der Gästeritte
selbst», erklärt der Pferdemann. Das ist nicht
unbedingt üblich. Wenn Wanderreitunternehmen gut laufen,
klinken sich die ehemaligen Begründer beim Reiten oft
aus — sei es aus organisatorischen oder Zeit-Gründen — und
Mitarbeiter übernehmen die Rittführung. «Nein,
mir macht das immer noch Spaß mit den Leuten»,versichert
Tilman. «Es vergeht kaum ein Tag, wo ich nicht im Sattel
sitze.»
Fasziniert
von der keltischen Mystik
« Die großartige Landschaft Irlands hat es mir angetan», erzählt
der 63-jährige, die unendliche Weite, die man mit dem Pferd erspüren
kann, das berühmte irische Grün, die Hochmoore, diese Vielfalt der
Natur und natürlich der Strand.» Sein Grundstück grenzt direkt
ans Meer, wo er mit seinen Gästen den Wellen hinterher galoppiert.
Geboren ist Tilman Anhold 1942 in Pommern. Die Familie flüchtete
in den Kriegswirren 1945 in den Westen. So wuchs er in Niedersachsen
auf — im Land der Hannoveraner. Seine reiterliche Ausbildung
erhielt er bei einer der ersten Adressen in diesem traditionsreichen
Pferdeland: am Landesgestüt Celle. «Dort habe ich das
Reiten von der Pike auf gelernt», erinnert sich der Auswanderer.
Schon sein Vater war ein passionierter Reiter und hatte gute Kontakte
zu den Gestütsleitern. Die Familie war in der Pferdewelt zuhause.
Als junger Mann lernte er Kaufmann, arbeitete als Drogist wie sein
Vater. Dann machte er das Abitur nach und studierte Betriebswirtschaft.
Noch während des Studiums reiste er zum ersten Mal nach Irland
in Urlaub. «Die keltische Mystik faszinierte mich»,
erklärt er. «Ich fühlte mich zu den nordischen
Ländern mehr hingezogen als zum Süden.»
Auf dem Rücken eines Pferdes ritt er durch Irland, wurde überall
herzlich aufgenommen, war überwältigt von der irischen
Gastfreundschaft. Immer gab es einen Platz für ihn und sein
Pferd. Da war es letztendlich um ihn geschehen. Er wollte etwas
Neues machen. Irland erschien ihm da als ideale Möglichkeit.
Das war Anfang der 70er-Jahre. Und die Gegend, wo er seinen ersten
Irland-Urlaub verbrachte, ist keine 30 Kilometer entfernt von dem
Ort, wo er heute lebt.
Vor 30 Jahren war Land in Irland noch billig
1973 zog er ganz nach Irland. Zwei Jahre später kaufte er
Grund und Boden. 19000 Pfund musste er damals dafür berappen.
Ein Kredit von einer deutschen Bank machte es möglich. «Zu
dieser Zeit war das Land in Irland noch billig», erinnert
sich der Aussteiger. «Heute ist unser Grund vielleicht das
5Ofache wert.» Irland, das einstige Armenhaus Europas, hat
in den vergangenen 20 Jahren eine rasante wirtschaftliche Entwicklung
vollzogen und legt inzwischen bessere Wirtschaftseckdaten vor als
Deutschland. Tilman hat — ohne es zu ahnen —auf ein «Aufsteiger-Land» gesetzt.
« Die Leute wurden zwar reich hier», schildert er die Entwicklung, «aber
sie blieben die Alten. Sie schätzen ihre individuelle Freiheit über
alles.» Wenn er von den Iren spricht, kommt er regelrecht ins Schwärmen. «Die
Leute sind unwahrscheinlich gut. Sie sind offen. Sie helfen einander. Vor allem
leben sie in einer großen Verbundenheit mit Pferden und der Natur. Hier
halten die Lkw auf der Strasse, wenn wir mit den Pferden ankommen. Wo gibt es
denn so was noch?»
Aber nicht nur die Leute und die irische Landschaft spielten eine
Rolle in seiner «irischen Leidenschaft» — auch
die Liebe:
Sie heißt Colette. Natürlich eine Irin. Bei seinem zweiten
Irland-Urlaub haben sie sich kennen gelernt.1975 heirateten die
beiden. Seitdem führen Colette und Tilman Anhold die «Horse
Holiday Farm» gemeinsam. «Colette macht die schwere
Arbeit und ich trage die Verantwortung», witzelt der Deutsche.
Früher ist seine Ehefrau auch intensiv geritten, doch seit
einem Skiunfall geht das nicht mehr.
Mit zwölf Pferden, Warmblütern und Halbblütern,
hatte er angefangen. Zu Beginn war es wie ein üblicher Reitbetrieb
mit Unterricht. «Das habe ich aber dann schnell wieder sein
lassen, das war es nicht», weiss Tilman noch. Dann setzte
er eine Idee um, die er «Jedem sein eigenes Pferd» nennt
und die er bis heute praktiziert. « Bei uns können Gäste
Reiterferien machen und bekommen dafür ihr, <eigenes> Pferd,
das ich sorgfältig für sie auswähle», erläutert
Tilman seine Philosophie. «Jeder Reiter holt sein Pferd selbst
von der Weide, füttert und putzt es, sattelt selbst, kümmert
sich eben um das Tier.» So soll der Reitgast mit seinem Pferd
eine wirkliche Beziehung aufbauen. «Mal eben einen Zwei-Stunden-Ausritt
und dann wieder weg — gibt es bei mir nicht», sagt
er und schüttelt den Kopf.
Die Gäste sind durchschnittlich eine Woche mit ihrem Pferd
zusammen. Entweder gehen sie auf einen Wanderritt von Farm zu Farm
oder sie bleiben auf dem Reiterhof «Horse Holiday Farm» und
machen täglich Sternritte. «Mir ist klar, dass das ein
Nischenmarkt ist für Gäste, die sich nicht zu fein sind,
alles ums Pferd selbst zu machen», ist sich Tilman bewusst.
Zu Beginn kamen 80 Prozent der Gäste aus Deutschland. Inzwischen
ist das Publikum internationaler geworden. Etwa 50 Prozent kommen
aus den USA und Großbritannien, des Weiteren auch viele Skandinavier
unter den Gästen. «Aber ohne unsere Stammkundschaft,
die über 60 Prozent ausmacht, ginge es nicht», versichert
Tilman. «Neue Kunden zu akquirieren, ist schwierig und kostspielig,
wie etwa ein Stand auf der Equitana, was wir früher noch gemacht
haben.» Der Betrieb beschäftigt heute vier Mitarbeiter.
Positiv für sein Unternehmen sind die zahlreichen Billigflieger,
die seit einigen Jahren auf dem Markt sind. Das macht die Anreise
für die Kunden preisgünstiger. «Wir hatten aber
auch Tiefs», kann sich der Reitunternehmer noch gut erinnern. «Da
gab es die Maul- und Klauenseuche oder auch 9/11, die Anschläge
in New York. Vier Jahre lang gingen deshalb die Buchungszahlen
nach unten. Aber das ist seit 2005 zum Glück wieder überwunden.
Wie in der gesamten Reisebranche hat sich auch für die «Horse-Holiday-Farm» der
Kontakt zum Kunden durch das Internet verändert. «Rund
80 Prozent buchen heute bei uns direkt übers Internet»,
lässt Tilman wissen.
Besondere Freude macht ihm bei seiner Arbeit seine Selbständigkeit
und seine Unabhängigkeit. «Sicherlich gibt es auch mal
schwierige Kunden», gesteht er, «aber das ist selten.
Wir sind eben burschikos, nehmen das dann sportlich und diese Meckerer
nicht ganz für voll», schmunzelt er.
Überzeugt vom Irish Hunter
Tilman Anhold blickt auf seine Pferde. 80 sind es an der Zahl.
Das ganze Jahr über stehen sie auf der Weide, Tag und Nacht. «Daher
haben sie einen klaren Kopf», davon ist Tilman überzeugt.
Zu seiner Herde zählen verschiedene Rassen, wie einige Connemaras,
zwei deutsche Holsteiner-Stuten und auch 14 Tinker. «Die
sind seit vier bis fünf Jahren sehr gefragt», berichtet
Tilman. Der große Teil seiner Pferde aber sind Irische Hunter
mit einem Stockmaß von 145 bis 170 cm. Die Hunter haben es
ihm angetan. Sie sind robust und schnell. Tilman züchtet nebenbei
auch selbst. Fünf Hunter Zuchtstuten hat er dafür. Mehr
geht nicht, da sich die Pferde nur gut ausgebildet verkaufen lassen,
und das kostet viel Zeit und Arbeit. «Niemand will heute
mehr ein rohes Pferd kaufen», erklärt Tilman den Pferdemarkt.
"Aber für einen guten fünf- bis zehnjährigen
Hunter zahlen Kunden durchaus 10000 bis 15000 Euro."
Die Grafschaft Sligo ist nun auch das Zuhause von Tilman Anhold.
Er fühlt sich voll integriert. Gerne geht er auch mal ins
Pub. «Das gefällt mir so gut hier: Man geht rein und
egal, wer man ist: Die Leute sind freundlich, fragen einen, woher
man kommt, was man macht. Da spielt es keine Rolle, ob man Deutscher
ist oder sonst ein Ausländer. Da fühle ich mich wirklich
wohl», erzählt Tilman.
Was würde er Aussteige-Willigen raten? «Das ist schwer
zu sagen, denn Irland ist inzwischen viel teurer geworden als Deutschland»,
meint Tilman. «Wichtig ist, dass man weiss, wo man seine
Kunden herbekommt. Land, Gebäude und Pferde zu kaufen, geht
heute nicht mehr ohne Eigenkapital.» Ans Aufgeben hat er
all die Jahre nie gedacht, versichert Tilman Anhold. «Inzwischen
mache ich jetzt etwas langsamer. Wir möchten nicht weiter
expandieren, sondern das Unternehmen weiter konsolidieren. Alles
sozusagen noch etwas einfacher machen.» Seine zwei Söhne,
ebenfalls begeisterte Reiter, sind bereits erwachsen und haben
ihre eigenen Berufe. Er weiss nicht, ob einer der beiden den Hof
einmal übernehmen wird. «Aber daran denke ich noch lange
nicht. Ich mache so lange, wie es geht», sagt der Deutsche
in Irland. „Eins steht aber fest: Meinen irischen Lebensstil
werde ich jedenfalls nie aufgeben!»
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